Tommy Haas: Das Comeback-Wunder

Der ganz große Erfolg blieb Tommy Haas in Hamburg am Rothenbaum zwar verwehrt, doch der 34-Jährige rückt mit dem Erreichen des Finales auf Platz 35 der Weltrangliste vor. Damit schlägt Haas dem DOSB ein Schnippchen, das den Wahlamerikaner nicht für die Olympischen Spiele 2012 nominiert hat.

Haas hatte vor 15 Jahren sein Debüt in Hamburg gefeiert, seit dem aber nicht mehr an dem Turnier teilgenommen. Es war sozusagen ein Comeback für den in der Hansestadt geborenen Tennisprofi, der jetzt in Amerika lebt. Für einen Sieg gegen Juan Monaco reichte es im Finale des ATP-Turniers in Rothebaum dann aber leider nicht, doch konnte er immer noch eine bestechende Form aufzeigen. Monaco wurde bereits im Vorfeld von den Tenniswetten als Favorit gehandelt, doch Haas stellte den Argentinier immer wieder vor Probleme. Trotz der Niederlage in zwei Sätzen mit  5:7,4:6 freute sich Haas über seine Leistung. „Dass ich noch einmal vor meiner Familie das Finale erreicht habe, ist ein Traum“, so der  Lokalmatador. Das Hamburger Publikum war in der vergangenen Woche in einen regelrechten Haas-Rausch geraten, nachdem er das Halbfinale gegen den Kroaten Marin Cilic gewonnen hatte. Deshalb kann sich der Publikumsliebling gut vorstellen „im nächsten Jahr wiederzukommen.“  Den Zuschauern würde dies bestimmt gefallen: „Ihr wart Spitzenklasse“, bedankte sich Haas nach der Partie bei den Fans.  

Das Formhoch des „alten Haasen“ werden die Verantwortlichen des DOSB mit gemischten Gefühlen verfolgen. Schon im Turnier in Halle hatte der Routinier seine derzeit überragende Verfassung mit dem Sieg über Roger Federer bewiesen. Trotzdem verweigerte der Deutsche Olympische Sportbund  Haas eine Wildcard für die Sommerspiele in London. Für den Wahl-Amerikaner dürfte es die letzte Chance gewesen sein, bei Olympia aktiv mitzuwirken und für das DOSB geht ein Medaillenkandidat weniger in London an den Start. Über die Entscheidung war nicht nur der 34-Jährige enttäuscht, der es als „bodenlose Frechheit“ ansah, dass er nicht dabei sein wird. Er erhielt auch Rückendeckung von Ex-Tennisprofi Michael Stich, der die Nominierungskriterien des DOSB ebenfalls kritisierte.

Stich war vor 19 Jahren der letzte Deutsche, der das Turnier in Hamburg gewinnen konnte. Der ehemalige Wimbledonsieger ist jetzt der Turnierdirektor am Rothenbaum und war sehr angetan vom Verlauf der Veranstaltung. „Sportlich hätte es fast nicht besser laufen können“, so Stich. Trotzdem will er in den nächsten Jahren das Aufgebot an Weltklassespielern aufbauen. „Es muss für die Zukunft das Ziel sein, mehr Top-Ten-Spieler an den Start zu bringen.“